Vorsorgeuntersuchungen unter 30 | Welche Checks sind wichtig?

Praxistipps 11.06.2026 Redaktion PraxisZeiten
Vorsorgeuntersuchungen unter 30 | Welche Checks sind wichtig?

Viele junge Menschen glauben, Vorsorgeuntersuchungen seien etwas für ältere Menschen. Dieser Irrtum kann gefährliche Konsequenzen haben. Zahlreiche Erkrankungen, die später im Leben zu ernsthaften Problemen führen, beginnen ihre Entwicklung bereits in den 20er Jahren leise und unbemerkt. Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte und sogar bestimmte Krebsarten können in jungen Jahren auftreten, ohne typische Symptome zu verursachen. Die gute Nachricht ist: Wer früh hinschaut, hat die besten Chancen, Probleme rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Vorsorge bedeutet nicht Misstrauen gegenüber dem eigenen Körper, sondern Respekt. Es geht darum, eine Baseline zu schaffen, also Ausgangswerte zu kennen, die später als Vergleich dienen können. Außerdem kann die junge Generation durch gute Vorsorgechecks wertvolle Informationen über genetische Risiken erhalten, die das spätere Gesundheitsverhalten positiv beeinflussen können.

Der allgemeine Gesundheitscheck: Basis für alle

Ein erster allgemeiner Gesundheitscheck sollte idealerweise im frühen Erwachsenenalter stattfinden. Dieser Basis Check umfasst in der Regel eine körperliche Untersuchung, die Messung von Blutdruck und Puls, die Bestimmung von Körpergewicht und BMI sowie ein Basis Blutbild. Beim Blutbild werden unter anderem Hämoglobin, Leukozyten, Thrombozyten und Leberwerte bestimmt. Auch Nierenfunktionswerte und Schilddrüsenwerte sollten einmal geprüft werden.

In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung seit 2019 einen sogenannten Gesundheits Check Up ab dem 18. Lebensjahr einmalig, und dann wieder ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre. Dieser Check ist kostenlos und sollte unbedingt genutzt werden. Privatpatienten haben in der Regel noch umfangreichere Möglichkeiten im Rahmen ihrer Versicherungsleistungen.

Blutdruck: Stiller Killer bereits bei Jungen

Bluthochdruck gilt als einer der größten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Was viele nicht wissen: Laut aktuellen Studien leidet bereits ein signifikanter Anteil der unter 30 Jährigen an einem erhöhten Blutdruck, ohne es zu wissen. Da Bluthochdruck in frühen Stadien keinerlei Beschwerden verursacht, bleibt er häufig jahrelang unentdeckt. Eine einfache Blutdruckmessung beim Hausarzt oder sogar an einem Selbstmessgerät in der Apotheke kann lebensrettend sein. Der Normwert liegt bei unter 120 zu 80 mmHg. Ab 140 zu 90 mmHg spricht man von Bluthochdruck, der behandelt werden sollte.

Cholesterin und Blutzucker: Frühzeitig checken lassen

Auch erhöhte Blutfettwerte und ein zu hoher Blutzucker können in jungen Jahren bereits vorhanden sein und langfristig zu Arteriosklerose und Diabetes führen. Eine Bestimmung der Blutfette (LDL, HDL, Triglyzeride) und des Nüchternblutzuckers sollte im Rahmen des allgemeinen Gesundheitschecks erfolgen. Bei auffälligen Werten empfiehlt sich eine Ernährungsberatung sowie gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie.

Besonders bei Personen mit einer familiären Vorbelastung (Eltern oder Großeltern mit frühzeitigem Herzinfarkt oder Schlaganfall) sollten diese Werte bereits ab dem 18. Lebensjahr regelmäßig kontrolliert werden. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung können erhöhte Werte in vielen Fällen deutlich verbessern.

Hautcheck: Melanomfrüherkennung rettet Leben

Malignes Melanom, also der schwarze Hautkrebs, kann grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Gerade bei jungen Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend viel Sonnenexposition hatten oder Solarien genutzt haben, lohnt sich ein Hautcheck beim Dermatologen. Bei der Untersuchung werden alle Muttermale und Pigmentflecken sorgfältig begutachtet. Auffällige Stellen können sofort behandelt werden, bevor sich ein gefährlicher Tumor entwickelt. Der Hautcheck sollte mindestens einmal im Leben vor dem 30. Lebensjahr stattgefunden haben, idealerweise wird er alle zwei Jahre wiederholt.

Zähne und Zahn Status

Eine regelmäßige Zahnarztuntersuchung zweimal jährlich sollte selbstverständlich sein. Parodontitis, also eine Entzündung des Zahnhalteapparats, beginnt häufig schon in jungen Jahren und ist mittlerweile als Risikofaktor für Herzerkrankungen wissenschaftlich anerkannt. Karies und beginnende Zahnfleischprobleme können früh erkannt und mit einfachen Maßnahmen behandelt werden. Ein professionelles Zahnreinigungsgespräch mit dem Zahnarzt über Putztechnik und Ernährung ist ebenfalls sinnvoll.

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Augencheck: Sehschwäche und Augeninnendruck

Grüner Star (Glaukom) ist eine Erkrankung des Augeninnendrucks, die zwar typischerweise ältere Menschen betrifft, aber auch bei jungen Erwachsenen vorkommen kann. Da Glaukom lange symptomlos verläuft und erst spät zu Sehverlust führt, lohnt sich eine Messung des Augeninnendrucks beim Augenarzt auch schon unter 30 Jahren. Gleichzeitig kann eine Sehschwäche frühzeitig korrigiert werden, was Kopfschmerzen, ermüdende Augen und Konzentrationsprobleme deutlich verbessern kann.

Genitale Vorsorge: Frauen und Männer

Für Frauen empfiehlt die Frauenheilkunde ab dem 20. Lebensjahr eine jährliche gynäkologische Untersuchung inklusive Krebsabstrich (PAP Abstrich), der nach dem Gynäkologen Georg Papanicolaou benannt ist. Dieser Abstrich erkennt Zellveränderungen am Gebärmutterhals, die auf Vorstadien von Gebärmutterhalskrebs hinweisen können. Durch die HPV Impfung und regelmäßige PAP Abstriche ist Gebärmutterhalskrebs heute weitgehend vermeidbar.

Männer sollten lernen, ihre Hoden regelmäßig selbst abzutasten, da Hodenkrebs der häufigste solide Tumor bei jungen Männern zwischen 15 und 35 Jahren ist. Bei Auffälligkeiten wie Veränderungen der Größe, der Form oder ungewöhnlichen Verhärtungen sollte umgehend ein Urologe aufgesucht werden. Eine Ultraschalluntersuchung der Hoden kann vom Arzt bei Bedarf angeordnet werden.

Psychische Gesundheit nicht vergessen

Vorsorge umfasst nicht nur den körperlichen Bereich. Gerade in den 20er Jahren sind Stress, Burnout und psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen häufig. Wer merkt, dass Erschöpfung, Antriebslosigkeit oder Angstgefühle dauerhaft das Leben beeinflussen, sollte ohne Scheu den Hausarzt ansprechen oder einen Psychotherapeuten aufsuchen. Frühzeitige Behandlung verhindert die Chronifizierung und schützt die langfristige Lebensqualität. Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht, und heute gibt es exzellente Behandlungsmöglichkeiten.

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Zusammengefasst empfiehlt Praxiszeiten jungen Erwachsenen, den Check Up beim Hausarzt aktiv einzufordern, regelmäßig zum Zahnarzt und Augenarzt zu gehen, den Hautarzt aufzusuchen und bei Frauen den jährlichen gynäkologischen Termin konsequent wahrzunehmen. Diese einfachen Maßnahmen können die Weichen für ein langes und gesundes Leben stellen.