Die Schilddrüse ist ein kleines Organ mit enormer Wirkung. Als schmetterlingsförmige Drüse im vorderen Halsbereich produziert sie Hormone, die nahezu jeden Stoffwechselprozess im Körper beeinflussen: Herzfrequenz, Körpergewicht, Körpertemperatur, Stimmung, Energiestoffwechsel, Fruchtbarkeit und die geistige Leistungsfähigkeit stehen alle unter ihrem Einfluss. Wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät, wirkt sich das entsprechend umfassend auf das Wohlbefinden aus. Schilddrüsenerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt: In Deutschland sind rund ein Drittel der Bevölkerung betroffen, oft ohne es zu wissen.
Aufbau und Funktion der Schilddrüse
Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), die den gesamten Stoffwechsel regulieren. Ihre Produktion wird durch das Hormon TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) der Hirnanhangsdrüse gesteuert. Ein ausgeklügeltes Regelkreissystem sorgt normalerweise für ein konstantes Gleichgewicht. Jod ist ein unverzichtbarer Baustein für die Hormonproduktion und muss über die Nahrung aufgenommen werden.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Bei der Hypothyreose produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, wodurch der gesamte Stoffwechsel verlangsamt wird. Die häufigste Ursache in Deutschland ist die Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoiditis, bei der das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Schilddrüsengewebe angreift und zerstört. Weitere Ursachen sind Jodmangel, Operationen an der Schilddrüse oder eine Strahlentherapie im Halsbereich.
Typische Symptome der Unterfunktion sind chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme trotz normaler Ernährung, Kälteempfindlichkeit, trockene Haut und spröde Haare, Verstopfung, verlangsamte Herzfrequenz, Konzentrationsprobleme sowie Stimmungstiefs bis hin zur Depression. Die Diagnose wird durch eine Blutuntersuchung gestellt, bei der TSH, T3 und T4 gemessen werden. Ein erhöhter TSH Wert weist auf eine Unterfunktion hin. Die Behandlung ist einfach und sehr effektiv: Das fehlende Hormon wird in Form von Levothyroxin täglich oral ersetzt.
Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Das Gegenteil ist die Überfunktion, bei der zu viel Schilddrüsenhormon produziert wird und der Körper auf Hochtouren läuft. Die häufigste Ursache ist der sogenannte Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper die Schilddrüse dauerhaft stimulieren. Auch sogenannte Autonomien, eigenständig aktive Knoten in der Schilddrüse, können eine Überfunktion verursachen.
Die Symptome sind entsprechend gegenteilig: Herzklopfen und Herzrasen, Gewichtsabnahme trotz gesteigertem Appetit, innere Unruhe und Nervosität, Zittern der Hände, Wärmeunverträglichkeit und übermäßiges Schwitzen, Schlafstörungen sowie Durchfall. Bei Morbus Basedow kann zudem ein charakteristisches Hervortreten der Augäpfel auftreten, die sogenannte Orbitopathie.
Behandlungsoptionen umfassen Medikamente, die die Hormonproduktion hemmen (sogenannte Thyreostatika), eine Radioiodtherapie, bei der radioaktives Jod gezielt Schilddrüsengewebe zerstört, sowie eine operative Entfernung der Schilddrüse.
Schilddrüsenknoten und Struma
Schilddrüsenknoten sind bei Erwachsenen sehr verbreitet. Ultraschalluntersuchungen zeigen sie bei bis zu 50 Prozent aller Menschen über 50 Jahre, meist ohne jegliche Beschwerden. Die meisten Knoten sind gutartig. Dennoch ist eine ärztliche Abklärung wichtig, da in seltenen Fällen bösartige Veränderungen vorliegen können.
Die vergrößerte Schilddrüse, auch Struma oder Kropf genannt, ist häufig auf Jodmangel zurückzuführen und war früher in Deutschland weit verbreitet. Durch den Einsatz von jodiertem Speisesalz ist die Häufigkeit deutlich zurückgegangen. Eine Struma kann jedoch auch durch Knoten oder Autoimmunerkrankungen entstehen.
Zur Abklärung von Knoten wird neben dem Ultraschall bei Bedarf eine Feinnadelbiopsie durchgeführt, bei der etwas Zellmaterial aus dem Knoten entnommen und unter dem Mikroskop untersucht wird.
Schilddrüsenkrebs
Schilddrüsenkrebs ist eine seltene, aber behandelbare Erkrankung. Durch die modernen bildgebenden Verfahren werden immer mehr Fälle frühzeitig erkannt. Die häufigsten Formen, der papilläre und der follikuläre Schilddrüsenkrebs, haben bei früher Behandlung eine sehr gute Prognose. Die Therapie besteht meist aus einer operativen Entfernung der Schilddrüse, gefolgt von einer Radioiodtherapie und einer lebenslangen Hormonsubstitution.
Prävention und Vorsorge
Regelmäßige Jodzufuhr durch jodiertes Salz und jodreiche Lebensmittel wie Seefisch und Milchprodukte unterstützt die Schilddrüse nachhaltig. Wer Symptome bemerkt, die auf eine Schilddrüsenerkrankung hindeuten, sollte nicht abwarten. Ein einfacher Bluttest beim Hausarzt kann TSH, T3 und T4 messen und in kurzer Zeit Klarheit schaffen. Bei familiärer Vorbelastung oder bekannten Risikofaktoren empfiehlt sich eine regelmäßige Ultraschallkontrolle der Schilddrüse.
Fazit
Die Schilddrüse ist klein, aber mächtig. Störungen dieses Organs können nahezu jeden Aspekt der Gesundheit beeinflussen. Die gute Nachricht: Fast alle Schilddrüsenerkrankungen sind mit modernen Methoden sehr gut diagnostizierbar und behandelbar. Wer die Signale seines Körpers ernst nimmt und regelmäßig zur Vorsorge geht, hat hervorragende Chancen auf ein Leben in Balance.